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Samstag den 21. Februar 2009
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Spurensuche

Politische Aktion

Weg der Erinnerung
Hintergrund
Seit 1993 arbeiten niedersächsische Jugendverbände, die im Landesjugendring Niedersachsen e.V. organisiert sind, kontinuierlich auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Für die Jugendorganisationen in Niedersachsen ist die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus ein wichtiger Teil ihrer Arbeit. Das aktive Gedenken und Lernen an Orten der Erinnerung spielt dabei eine besondere Rolle. Angesichts von aktueller Fremdenfeindlichkeit und Gewalt hat diese Arbeit eine zunehmende Bedeutung. Die AG Jugendarbeit in Bergen-Belsen bietet darum interessierten Jugendlichen die Möglichkeit sich über und am Gedenk- und Lernort Bergen-Belsen intensiv mit diesem Teil deutscher Geschichte zu beschäftigen.
Dieses Vorhaben bezieht sowohl historisches Lernen, als auch einen pädagogischen Ansatz ein, der von der Person der TeilnehmerInnen ausgeht. Ziel ist es, einen Zugang zur Geschichte und zum Nationalsozialismus zu finden, der nach Konsequenzen der Greueltaten von Damals für die Gegenwart und Zukunft fragt.
Die Internationalität der Workcamps spielt eine besondere Rolle. TeilnehmerInnen aus Israel, Südafrika, Polen, Belarus, Slowakei, Ungarn, Litauen, Niederlande und Russland nehmen neben den deutschen Teilnehmern regelmäßig an den Camps teil. Sie bringen dabei die speziellen Erfahrung ihrer jeweiligen Länder mit dem Nationalsozialismus ein. Die unterschiedlichen nationalen Perspektiven und die damit verbundenen Sensibilitäten werden dabei deutlich. Dieses ist auf dem Hintergrund der veränderten Bedingungen in Europa von großer Bedeutung.
Pädagogisch wird im Jugend-Workcamp ein ganzheitlichen Ansatz verfolgt. Kognition, Emotion, Körperlichkeit und Spiritualität sollen gleichermaßen angesprochen und, sich gegenseitig ergänzend, in den Lernprozeß integriert werden. Die kognitiven Ebene wird in erster Linie durch Archivarbeit, Zeitzeugen- und Expertengespräche, Filme und Diskussionen angesprochen. Die emotionale Ebene verbindet die eigene Person mit dem Thema. Das Erleben von Trauer, Entsetzen, Wut und Hilflosigkeit kann Empathie mit den Opfern und Sensibilität mit gegenwärtigem Erleben von Rassismus und Diskriminierung zur Folge haben. Das Erleben des Ortes, das Erleben der Gefühle von Zeitzeugen, Filme und Dokumente und die "Aura" des Ortes sind Träger dieser Erfahrungsebene.
Die Körperlichkeit spielt vor allem in der Arbeit im Gelände ein Rolle. Körperliche Arbeit ist von großer Bedeutung, sie ermöglicht den TeilnehmerInnen meist eine Reihe neuer Erfahrungen. Im Umgang mit Werkzeugen, in der Erfahrung der eigenen körperlichen Kraft oder Schwäche, im Bewußtsein, einen historischen öffentlichen Ort zu gestalten, ist körperliches Arbeiten an diesem Ort auch so etwas wie "Das Bewußtsein in die Hände zu nehmen." Gerade die körperliche Ebene bietet denjenigen Jugendlichen, deren Stärke oder Interesse nicht die intellektuelle Auseinandersetzung ist, Möglichkeiten, gleichberechtigt mitzuarbeiten. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, daß die eigene Arbeit damit Teil einer öffentlichen Darstellung mit einem hohen Aufmerksamkeitswert wird.
Um mit dem Erleben von Grenzen umzugehen spielt die spirituelle Ebene eine Rolle. Das Geschehen in Bergen-Belsen ist letztlich nicht zu begreifen. Gemeinsame und individuelle, bekannte und neu entwickelte Rituale sind hier methodische Möglichkeiten des Umgangs.
Eine besondere Bedeutung hat auch der Dialog mit den wenigen noch lebenden Überlebenden von Bergen-Belsen. Wir leben in der „Zeit des Übergangs von der Erinnerung an Erlebtes zur Erinnerung an Mitgeteiltes“. Zeitzeugen sind gerade deshalb für Jugendliche lebendige Geschichte im Heute. Die Zeugnisse der Überlebenden ermöglichen durch die Erzählung ihrer Geschichte eine emotionale Identifikation, die durch nichts zu ersetzen ist. Die Möglichkeit der Begegnung gerade auch mit subjektiv erfahrener Geschichte muss Jugendlichen so lange und intensiv wie möglich zur Verfügung gestellt werden.
Ziele
Ziel des internationalen Jugend-Workcamps ist die Sicherung der Erinnerung an die deutschen Verbrechen und deren Opfer durch aktives Handeln Jugendlicher. Die Jugendlichen sollen über die Authentizität des Ortes in die Lage versetzt werden, eigene Standpunkte zu diesem Teil deutscher Vergangenheit zu bilden und zu vertreten und davon ausgehend auch für das eigene Handel in einer demokratischen Gesellschaft.
Die internationale Zusammensetzung der teilnehmenden Jugendlichen ist ein sichtbares Zeichen der Solidarität und gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit sein. Darum ist die Begegnung deutscher Jugendlicher mit Jugendlichen aus anderen, durch die Geschichte des Zweiten Weltkrieges ebenfalls geprägten Ländern, von besonders großer Bedeutung. Es werden Fragen nach Tätern und Opfern, nach Verantwortung gestern und heute, nach Zivilcourage und Bedrohung gestellt. Durch diese internationalen Begegnungen wird Vorurteilen entgegengewirkt und Verständnis füreinander entwickelt.
Die Zusammenkunft zwischen Zeitzeugen und Überlebenden und den TeilnehmerInnen des Workcamps soll die seltene Chance eines Dialogs zwischen den Generationen weiter fortsetzen und Fragen über zukünftigen Umgang mit der Geschichte erörtern.
Die internationalen Jugendworkcamps haben in der jüngsten Vergangenheit für die Gedenkstätte Bergen-Belsen eine bedeutende Rolle gespielt. Bauliche Überreste des Lagers sind freigelegt und den Besuchern zugänglich gemacht worden, damit hat sich das Bild der Gedenkstätte maßgeblich verändert.
Programmelemente des Jugend-Workcamps
Damit die TeilnehmerInnen die Möglichkeit haben ihre unterschiedlichen Interessen und Begabungen einzubringen und auszuprobieren, werden neben gemeinsamen verbindlichen und freiwilligen Programmpunkten, verschiedene kleine Arbeitsgruppen wie Zeitzeugen-, Außen-, Kunst-, und Musikgruppe angeboten.
Neben der inhaltlichen Arbeit, die der Schwerpunkt der Workcamps ist, gibt es auch Raum für Spiel und Sport, Gespräche und Feiern.
Die TeilnehmerInnen des Jugend-Workcamps wohnen im "Anne-Frank-Haus" des CVJM-Landesverbandes Hannover, 12 Kilometer von der Gedenkstätte Bergen-Belsen entfernt. Das Anne-Frank-Haus ist offizielle Jugendbildungsstätte der Gedenkstätte Bergen-Belsen.
Kosten: 80.00 €
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