Dienstag den 17. März 2009
"Der Mensch ist gut"
Rubrik: Fortbildung

Schwerpunkt: Klientenzentrierte (Personenzentrierte) Gesprächsführung nach C. R. Rogers

Thorsten Rademacher (li.) und Oliver Koppelkamm präsentieren eine Beratungssequenz von C. Rogers

Thorsten Rademacher (li.) und Oliver Koppelkamm präsentieren eine Beratungssequenz von C. Rogers

"Paraphrasieren" Kerstin Schmidt und Manfred Neubauer

"Paraphrasieren" Kerstin Schmidt und Manfred Neubauer

"Verbalisieren emotionaler Erlebnisinhalte" Ursula Thielen und Heike Rohdenburg

"Verbalisieren emotionaler Erlebnisinhalte" Ursula Thielen und Heike Rohdenburg

"Rapport herstellen" Uwe Huchthausen und Elke Hartebrodt-Schwier

"Rapport herstellen" Uwe Huchthausen und Elke Hartebrodt-Schwier

Die Kursteilnehmer Oliver Koppelkamm (Kirchenkreis Ammerland) und Thorsten Rademacher (Kirchenkreis Rhauderfehn) stellten der Kursgruppe im Rahmen der "2. Themenvertiefenden Praxisgruppe (TVP)" wesentliche Grundannahmen des amerikanischen Psychologen C. R. Rogers (1902 – 1987) vor, der das Klientenzentrierte Konzept ab 1942 in den USA entwickelt hat. In seiner Arbeit konzentrierte er sich unter anderem auf den Beziehungsaspekt zwischen TherapeutIn und KlientIn. Rogers erkannte, dass die Klientin/der Klient selbst weiß „wo der Schuh drückt, welche Richtung einzuschlagen, welche Probleme entscheidend, welche Erfahrungen tief begraben gewesen sind“. Er ging davon aus, dass jeder Mensch über Potentiale verfügt, seinen Selbstheilungsprozess ("Selbstaktualisierung") selber zu beginnen und intuitiv die richtige Richtung darin einzuschlagen. Rogers behauptete weiter, dass jedem Menschen das Bedürfnis nach konstruktiver Veränderung und Selbstverwirklichung innewohnt. Mit Hilfe von textlichen Beispielen (Die Ärzte - Schrei nach Liebe), filmischen Sequenzen und darstellendem Rollenspiel verdeutlichten sie Rogers Grundannahmen und sein methodisches Handwerkzeug. 

Rogers Arbeiten lassen sich insgesamt in drei Phasen aufteilen:

  • Als erstes die nicht-direktive Phase, in der er sich dagegen ausspricht, der Klientin/dem Klienten Ratschläge, Ermahnungen, Erklärungen und Interpretationen zu geben. Rogers stellt nicht das Problem und wie es zu lösen ist in den Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit, sondern die Klientin/den Klienten als einmaliges Individuum, das prinzipiell die Fähigkeit in sich hat, im Rahmen eines speziellen Beziehungsangebotes zu einem besseren Verständnis ihrer selbst zu kommen und daraus folgend Einstellungs- und Verhaltensänderungen vorzunehmen.
  • Da der Begriff nicht-direktiv zu Missverständnissen führt - er wurde mit „nicht aktiv“ verwechselt - nannte Rogers seinen Ansatz „Klientenzentriert“.
  •  In den siebziger Jahren ging es Rogers dann mehr und mehr darum, nicht nur KlientInnen, seien es Kinder, Jugendliche oder Erwachsene durch ein strukturiertes Beziehungsangebot zu unterstützen, sondern seinen Ansatz auf Menschen in den verschiedenen Lebensbereichen auszuweiten, um das ihnen innewohnende Wachstumspotential zum Ausdruck bringen zu können (Personenzentrierte Phase).

Rogers fand heraus, dass eine Einstellungs- und Verhaltensänderung der Klientin/des Klienten dann erfolgt, wenn der Berater/die Beraterin der Klientin/dem Klienten eine Beziehung anbieten kann, in der von Seiten der Beraterin/des Beraters drei notwendige Bedingungen erfüllt sein müssen:

  1. Die Beraterin/der Berater versucht, die Klientin/den Klienten von ihrem/seinem Bezugspunkt her zu verstehen, d.h., so wie sie/er Dinge sieht und wahrnimmt (Empathie oder Einfühlendes Verstehen).
  2. Die Beraterin/der Berater achtet die Klientin/den Klienten als Person und bemüht sich ihr/ihm gegenüber um ein uneingeschränktes Akzeptieren (Unbedingte Wertschätzung).
  3. Die Beraterin/der Berater tritt der Klientin/dem Klienten als Person gegenüber. Als Person, die offen ist für ihr eigenes Erleben und die sich nicht hinter einer Rolle „versteckt“ (Echtheit/Kongruenz).

Die Kursgruppe hatte anschließend Gelegenheit, Partnerzentriertes Gesprächsverhalten zu üben, dies geschah u.a. durch "Paraphrasieren" (Inhalt mit eigenen Worten wiedergeben, Verdeutlichen, was dem Gesprächspartner, der Gesprächspartnerin wichtig war), "nicht festgelegten Aufforderungen" (BeraterIn ermuntert die ratsuchende Person mehr zu erzählen), "Verbalisieren emotionaler Erlebnisinhalte" (BeraterIn versucht die Gefühle der ratsuchenden Person auszudrücken) und "Rapport herstellen" (Anpassung der verbalen und nonverbalen Kommunikation - sich in die Welt des Ratsuchenden begeben).  Dazu wurden entsprechende Kleingruppen gebildet, die entsprechende Übungen in Kleingruppen umsetzten. Dabei wurde jeweils Bezug genommen auf die von Rogers formulierte innere Haltung von BeraterInnen.

Die Kursleiter Irmtraud Roscher und Manfred Neubauer unterstrichen in diesem Zusammenhang, dass die Situation von hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Jugend(verbands)arbeit, sowie in anderen Feldern kirchlicher, diakonischer und sozialer Arbeit immer mehr durch vielschichtige inhaltliche und professionell-persönliche Anforderungen gekennzeichnet ist. Gerade die schnelllebige Jugend(arbeits)szene mit ihrem häufigen Wechsel von Ehrenamtlichen, Jugendlichen, Projekten und neuen Themen, stellt hohe Anforderungen an hauptamtliche MitarbeiterInnen. Eine fundierte Kenntnis über die inhaltlichen, strukturellen und persönlichen Voraussetzungen und Bedingungen für den gewinnbringenden Einsatz von kollegialen Beratungsmodellen in der beruflichen Praxis soll in der Langzeitfortbildung "Kollegiale Unterstützungssysteme - Kollegiale Beratung und Supervision (KoBeSu) IV" vermittelt werden. Damit will diese Fortbildung zur Qualitätssicherung der jeweiligen beruflichen  Praxis der TeilnehmerInnen beitragen.


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