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Mittwoch den 18. Juni 2008
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Jugendverbände klagen über einen drastischen Stellenabbau in der Kinder- und Sozialarbeit. In den vergangenen fünf Jahren sei bundesweit mehr als jede vierte Vollzeitstelle in Jugendzentren oder Streetworker-Teams weggefallen, kritisierte die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) vor Beginn des 13. Jugendhilfegipfels, der am heutigen Mittwoch in Essen beginnt.
"Städte werden mit den Kosten allein gelassen"
"Die Jugend wird kaputt gespart", sagte der AGJ-Vorsitzende Norbert Struck. Schuld an dem Stellenabbau seien jedoch nicht allein die Kommunen, so Thomas Rauschenbach vom Deutschen Jugendinstitut. Die Städte würden mit den steigenden Kosten für Jugendsozialarbeit alleine gelassen. "Was wir brauchen, ist eine andere Finanzverteilung auf Bund- und Länderebene", fügte er hinzu. Es sei eine gesamtstaatliche Aufgabe, die Probleme von Jugendlichen zu schultern.
Situation im Osten besonders prekär
Besonders prekär ist der Personalabbau laut AGJ in den neuen Bundesländern: So sind im Osten den Angaben zufolge in den vergangenen fünf Jahren 40 Prozent aller Stellen in der Kinder- und Jugendarbeit weggefallen. Im Westen kämen aktuelle Berechnungen auf einen Personalabbau um ein Viertel. Niedersachsen schneidet im Bundesvergleich gut ab. 4,2 Prozent der Mitarbeiter wurden der Studie des Deutschen Jugendinstituts zufolge in den vergangenen fünf Jahren im Bereich der Jugendarbeit und der Jugendhilfe eingespart. Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann nennt andere – es gebe eher einen gegenteiligen Trend. Das Land wird außerdem beim Kinderschutz noch draufsatteln sagte Ross-Luttmann der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. So würden künftig alle Eltern von Kleinkindern zentral vom Land zu Vorsorgeuntersuchungen eingeladen.
Die Jugendverbände im Landesjugendring Niedersachsen hatten sich vor den diesjährigen Landtagswahlen deutlich zur Wort gemeldet und die Kürzungen des Landes im Bereich der Jugendverbandsarbeit vehement kritisiert:
Mehr Jugendarbeit!
Rund 50.000 Ehrenamtliche investieren in die niedersächsische Jugendarbeit unbezahlte Arbeitsstunden und gewährleisten ein anspruchsvolles und vielseitiges Freizeit- und Bildungsprogramm für Kinder und Jugendliche. Um dies auf Dauer zu erhalten, bedarf es einer Verstärkung der finanziellen und personellen Unterstützung der Jugendarbeit. Die auslaufende Legislaturperiode hat zu den bislang tiefsten Einschnitten in der Förderung geführt: So mussten die im Landesjugendring vertretenen Verbände finanzielle Einbußen von rund 1,4 Mio. Euro (inklusive der Impulsprogramme sogar mehr als 4 Mio. Euro) hinnehmen. Der Landesjugendring fordert daher von der künftigen niedersächsischen Regierung eine Umkehr in der Kürzungspolitik. Dies bedeutet u.a. eine verstärkte Förderung der bestehenden Jugendeinrichtungen, eine Erhöhung der Fördermittel sowie die Wiedereinführung des Verdienstausfalls für in der Jugendarbeit aktive Ehrenamtliche.
Mehr Bildung!
Die im Landesjugendring vertretenen Verbände fordern, allen Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und ihren finanziellen Möglichkeiten eine umfassende Bildung zu ermöglichen. Als ersten Schritt gilt es, die Lehrmittelfreiheit wieder einzuführen. Weiterhin fordern die Verbände ein beitragsfreies Erststudium sowie eine Aufwertung außerschulischer Jugendarbeit, insbesondere in der Kooperation mit Ganztagsschulen.
Mehr soziale Gerechtigkeit!
Die niedersächsischen Jugendverbände treten ein für eine sozial gerechtere Gesellschaft. Es ist nicht hinnehmbar, dass immer mehr Kinder und Jugendliche in Armut leben und dadurch Nachteile in Bildung und Ausbildung erfahren. Konkret fordert der Landesjugendring mehr Engagement für Ausbildungs- und Arbeitsplätze junger Menschen sowie einen Rechtsanspruch auf einen Ausbildungsplatz. Weiterhin fordern die Jugendverbände eine Verbesserung der Integration sowie eine entschiedenere Bekämpfung von Rechtsextremismus.
Jugendarmut in Deutschland drastisch gestiegen
Erst in der vergangenen Woche war anhand neuer Zahlen belegt worden, dass die Jugendarmut in Deutschland erschreckende Ausmaße angenommen hat. Laut AGJ lebt inzwischen jeder Vierte zwischen 16 und 24 Jahren in Armut oder ist von Armut bedroht. Bundesweit sind dies den Angaben zufolge mehr als 2,4 Millionen Jugendliche.
Der 13. Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag vom 18. - 20. Juni in Essen steht unter dem Motto „Gerechtes Aufwachsen ermöglichen“ mit den Untertiteln „Bildung, Integration, Teilhabe.“ Er ist die zentrale Veranstaltung der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. Er hat Fortbildungscharakter und dient dem Fachaustausch. In der Regel werden Deutsche Kinder- und Jugendhilfetage (DJHT) alle vier Jahre durchgeführt.