Bildung ist mehr !

Bildung ist mehr als nur etwas zu Lernen. Die Bildungsdebatte wird, angeregt durch die PISA-Studie, auf allen gesellschaftlichen Ebenen geführt und allen Beteiligten ist klar, dass sich "etwas in der Bildung" verändern soll. Oftmals wird dabei der Blick auf Schule, Kindergarten, Ausbildung und Studium beschränkt. Bildung ist aber auch Teil des Alltags und der Freizeit von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Sie erfolgt z. B. auch in Gesprächen zwischen Tür und Angel, in Gruppen, auf Freizeiten, bei Seminaren, Projekten und in vielen anderen Situationen des täglichen Lebens.

Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Niedersachsen e.V. (aejn e.V.) zählt jährlich mehr als 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei Freizeiten, davon 15.000 Jugendliche und junge Erwachsene bei Bildungsmaßnahmen und über 21.500 Personen bei Jugendtreffen oder Landesverbandstagungen. Hinzu kommen die Kinder und Jugendlichen, die sich regelmäßig in Gruppen und Projekte (häufig wöchentlich oder 14-tägig) treffen. Bildung ist daher ein untrennbarer Bestandteil der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit.

Die Jugendarbeit der Mitglieder der aejn e.V. mit ihren unterschiedlichen Profilen leistet durch ihre Angebote an unterschiedlichen Orten und Zeiten einen wichtigen und vielfältigen Beitrag für den gesellschaftlich gegebenen Bildungsauftrag.

Evangelische Jugendarbeit legt Wert auf Freiwilligkeit, Autonomie, Selbstbestimmung und Selbstorganisation, auf Emanzipation und Partizipation. Evangelische Jugendarbeit bietet Möglichkeiten der Mitbestimmung in den Räumen Kirche und Gesellschaft. Dabei ist Evangelische Jugendarbeit einem zweifachen Auftrag verpflichtet: Sie achtet einerseits die Interessen junger Menschen und nimmt sie ernst und sieht sich andererseits als Interessensvertreterin der Jugendlichen gegenüber Kirche und Gesellschaft. Gleichzeitig will sie Jugendlichen Werte vermitteln und ihre Fähigkeiten fördern. Evangelische Jugendarbeit ist akzeptierende Jugendarbeit und somit nicht an Leistung orientiert.


Jugendarbeit hat einen eigenen Bildungsauftrag !

Das KJHG stellt fest: "Junge Menschen haben das Recht auf Förderung ihrer Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit"2

Jugendarbeit als Träger nichtformeller Bildungsangebote leistet, oft in Kooperation mit anderen Bildungsträgern, eine alltagsrelevante Bildungsarbeit, die viele informelle Bildungsprozesse in Gang setzt. Ausgangspunkt aller Bildungsarbeit der aejn sind die Kinder und Jugendlichen in ihrer jeweiligen Lebenssituation.


Bildung zielt ab auf den ganzen Menschen

Bildung ist mehr als die Aneignung eines Katalogs von Wissen, mehr als die Summe der in den schulischen Lehrplänen beschriebenen Inhalte. In der Evangelischen Jugendbildungsarbeit steht der ganze Mensch mit seinem Denken, Fühlen und Handeln im Mittelpunkt. Es geht um die Entwicklung der sozialen, emotionalen, motorischen, musischen und geistigen Kräfte von jungen Menschen. Es geht um die Entfaltung der ganzen Persönlichkeit in kritischer und konstruktiver Auseinandersetzung mit dem persönlichen und gesellschaftlichen Umfeld.

Außerschulische Evangelische Jugendbildung nimmt Frauen und Männer, Jungen und Mädchen in ihren Beziehungen zu sich selbst, zur Mit-Welt und zu Gott wahr. Jugendbildungsarbeit verfolgt das Ziel der Persönlichkeitsentfaltung auf den verschiedenen Beziehungsebenen und des Erwerbs sozialer, politischer und religiöser Kompetenz. Bildung ermutigt zu eigenständiger Lebensgestaltung. Sie befähigt Menschen, ihre Identität zu reflektieren und zu gestalten. Dazu gehört die Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle als Junge oder Mädchen, als junge Frau oder Mann in der Gesellschaft und die Entwicklung einer positiven Geschlechteridentität.


Bildung kann nicht erzwungen werden

Außerschulische Jugendbildung geht immer von Freiwilligkeit aus. Kinder und Jugendliche lernen in der Evangelischen Jugendarbeit mit einer hohen persönlichen Motivation, sie lernen, wann sie wollen, und sie bestimmen Methoden und Inhalte mit. Lernerfahrungen und die Erfahrung von Leistung und Ergebnis verbinden sich mit Spaß und dem Erleben von Glück und Zufriedenheit. Viele junge Menschen entwickeln im Lernfeld der außerschulischen Jugendbildung einen Wissensdurst, der sich als Grundhaltung auf andere Lebensbereiche auswirkt.

Wenn das eigene Erleben von Spaß, Glück und Zufriedenheit begleitet bzw. direkt damit verbunden wird, ist die "...Aneignung der Welt ein aktiver, subjektiver Prozess, bei dem das Fremde in Eigenes verwandelt wird."

Dieser Prozess ist in einem hohen Maß selbstbestimmt und unterliegt nicht dem Ziel oder Zweck eines Dritten. Diese Autonomie von Inhalten und Methoden der Jugendbildung ist vor jedem Ökonomisierungsdruck zu schützen.

Thesen der Bildung

 

1. Bildung als Orientierung

2. Bildung als Beheimatung

3. Bildung und Dialog

4. Bildung und Beteiligung

5. Bildung und der Erwerb von sozialer und politischer Kompetenz

6. Bildung gestaltet Gesellschaft



1.Bildung als Orientierung

Evangelische Jugendarbeit ist ein Beitrag zu orientierungsstiftender Bildung. Veränderungen gesellschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen erfordern von den Einzelnen ein hohes Maß an Flexibilität und Orientierungswissen, das den Menschen in seiner ganzen Person herausfordert. Schlüsselqualifikationen wie emotionale, soziale, interkulturelle und interreligiöse Kompetenz sowie die Fähigkeit, Widersprüche aushalten und Brüche bewältigen zu können, sind wesentliche Voraussetzungen zur persönlichen Orientierung. Diese entsteht auch in der vielgestaltigen Auseinandersetzung mit biblischen Texten.

Die Bildungsangebote der aejn e.V.

• nehmen aktuelle Themen und Entwicklungen - auch insbesondere am
   Horizont des Evangeliums - in den Blick
• bieten Begegnungen mit orientierenden Persönlichkeiten
• befähigen zur persönlichen Auseinandersetzung
• ermöglichen reflektierte Entscheidungen

Sie befähigen so zum orientierten Handeln


2.Bildung als Beheimatung

Junge Menschen fragen nach dem Ursprung, dem Wert und den Grenzen menschlichen Lebens. Globale Entwicklungen stellen Lebensentwürfe Einzelner in Frage. Vor allem die Wirtschaft fordert zu Offenheit und Orientierung an den Vorgaben globaler Interessen auf. In Konkurrenz dazu steht das menschliche Bedürfnis nach Sicherheit, Akzeptanz und tragfähigen Beziehungen. Eine kritische Auseinandersetzung mit Globalisierungsentwicklungen wirft nicht nur gesellschaftliche sondern auch persönliche Fragen auf.

Die Bildungsangebote der aejn e.V.

• schaffen Raum zur Auseinandersetzung mit Werten im theologischen Kontext von Schöpfung und Erlösung
• bieten Räume der Stille, Besinnung und Orientierung an geistlichen Grundwerten an
• bieten das Erlebnis von Gemeinschaft in offener und vertrauensvoller Atmosphäre.

Sie ermöglichen durch spirituelle Angebote Vergewisserung des Lebens und des Glaubens.

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3.Bildung und Dialog

Persönliche Weiterentwicklung braucht die "Konfrontation" und Auseinandersetzung mit verschiedenen Ansichten und Meinungen.

Sie ist ohne einen wertschätzenden Dialog nicht möglich.

Die Bildungsangebote der aejn e.V. ermöglichen

• Begegnungen von Menschen unterschiedlichen Alters und verschiedener sozialer, religiöser und kultureller Herkunft sowie
• die Auseinandersetzung und den Dialog mit verschiedenen Sichtweisen.

Sie vermitteln den Erwerb von Kommunikations-, Kooperations-, Konflikt-, und Integrationsfähigkeit durch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Ansichten und Meinungen.

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4.Bildung und Beteiligung

Bildungsarbeit braucht die Beteiligung von Menschen mit verschiedenen Sichtweisen und sozialen Hintergründen. Demokratie funktioniert auf der Grundlage von Beteiligung und gemeinsam getragener Verantwortung.

Die Bildungsangebote der aejn e.V.

• bieten aufgrund ihrer Strukturen abwechslungsreiche Möglichkeiten und Formen der Beteiligung
• ermöglichen die Übernahme von Verantwortung
• werden von jungen Menschen mitbestimmt und mitgestaltet

Sie tragen mit jugendgemäßen Mitteln dazu bei, jungen Menschen zur Selbstwerdung, zur Verantwortlichkeit und zur aktiven Mitgestaltung der Gesellschaft zu verhelfen.

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5.Bildung und der Erwerb von sozialer und politischer Kompetenz

Demokratie in Kirche, Staat und Öffentlichkeit erfordert ein hohes Maß an sozialer und politischer Kompetenz. Ziel einer umfassenden Bildung sind unverwechselbare Persönlichkeiten, die ihre eigenen Grenzen und Möglichkeiten kennen.

Die Bildungsangebote der aejn e.V.

• fördern die Einübung von demokratischen Spielregeln
• ermöglichen Erfahrungen in der Übernahme von Verantwortung
• lassen Zeit und Raum zur persönlichen Entwicklung, die Denken, Fühlen und Wollen in eine Balance bringt
• orientieren sich in ihren Konzeptionen an den Bedürfnissen von Körper, Seele und Geist

Sie tragen dazu bei, dass Jugendliche gemeinschaftsfähig werden, aktiv ihr eigenes Leben gestalten und sich in das öffentliche Leben verständig und kritisch einbringen.

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6.Bildung gestaltet Gesellschaft

Neben diesen individuellen Aspekten von Bildung bleiben auch die sich immer wieder verändernden gesellschaftlichen Gegebenheiten und Ansprüche im Bildungsauftrag der Mitglieder der aejn berücksichtigt. Neue Fragestellungen, wie z. B. Gender Mainstreaming oder der Umgang mit Medien werden in die umfangreichen Angebote integriert, wodurch die Bildungsarbeit der aejn e.V. Teil an der gesellschaftlichen (Weiter)Entwicklung hat. So findet Bildung im
Rahmen der aejn im Zusammenspiel von Individuum und Gesellschaft statt.

Dieser Prozess ist nie abgeschlossen, sondern auf Dauer angelegt. Nach dem Selbstverständnis der aejn ist der Bildungsauftrag multidimensional angelegt.

Bildung in der aejn e.V. meint:

ethische Bildung, die Wertebewusstsein, moralisches Verhalten und Handeln und ein persönliches Verantwortungsbewusstsein vermitteln will,
soziale Bildung, die die Gruppenfähigkeit, die Kompromissbereitschaft und den Umgang mit Aggressionen fördert,
religiöse Bildung, durch die die eigene Religion kennen gelernt, die Frage nach Transzendenz geweckt und die Dialogfähigkeit zum Austausch mit anderen Religionen gefördert wird,
politische Bildung zum Einüben eines demokratischen Umgangs miteinander und der Erziehung zum Frieden und zur Gerechtigkeit,
interkulturelle Bildung, mit der die Bereitschaft zum Zusammenleben mit anderen Kulturen unterstützt wird,
ästhetische und kulturelle Bildung, um einen Sinn in kulturellen Zeugnissen zu entdecken und zur Förderung der eigenen musisch-kreativen Gestaltungsfähigkeit,
medienkritische Bildung für einen besonnenen Umgang mit Medien,
ökologische Bildung mit ökologischen Fragestellungen und der Bereitschaft zum persönlichen Handeln,
geschichtliche Bildung zum Erinnern, Gedenken und Lehren aus der Geschichte ziehen,
zukunftsfähige Bildung, mit Platz für Offenes und Unerwartetes und Förderung des kreativen Handelns.

Der Bildungsflyer (Beschluss 11.2003) hier als pdf zum download (640 KB)

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