Fasten: die Zeit der inneren Einkehr, des mutig Seins, des Neumachens, des Loslassens … Für jede*n von uns hat die Fastenzeit ihre eigene Bedeutung und Auslebung. Doch wir behaupten, dass für alle eines gleich ist: die Fastenzeit ist die Zeit sich bewusst in einen Prozess hineinzubegeben. 

Viele Jahre gab es genau in diesem Zeitraum Impulse von der aejn zu einem Themenschwerpunkt. Diese Tradition lassen wir ab diesem Jahr, in Form eines Fastenkalenders, wieder aufleben. Mit diesem „Kalender“ möchten wir Euch und Ihnen Ideen und Anregungen zu einem festen Thema mitgeben. 
Die Zeit des christlichen Fastens fällt immer in die Zeit des Frühlings. Eine Zeit der Veränderung, des Aufbruchs, des aktiv Werdens. Raus dem Winterschlaf – rein ins Leben!

Und so wollen wir einladen (neue) Blickwinkel einzunehmen, aktiv zu werden und diese Anregungen in der kommenden Arbeit mit jungen Menschen einfließen zu lassen.

Dieses Jahr haben wir uns sowohl an der Jahreslosung der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) orientiert, als auch an dem Themenschwerpunkt der aejn im Jahr 2018: Frieden. 

Wir wünschen viel Freude beim Entdecken des aejn-Fastenkalenders und wünschen Allen eine gesegnete Fastenzeit. 

Woche 7 l 17. April 2019

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten. Römerbrief 12,21

Auf der A7 Richtung Nord, Montagfrüh, ich fluche, schimpfe, bin genervt über die Ansammlung völlig unfähiger Autofahrer, ich komme zu spät. Wut kommt auf.

Bin ich verrückt??? Ich habe ein traumhaftes Leben; eine tolle Familie, nette Freunde und auch der Job läuft. Für die meisten meiner negativen Lebenserlebnisse war ich selber verantwortlich. Und nun sitze ich im Auto und flippe aus. 

Ich soll etwas zum Frieden schreiben, bin ich nicht der Falsche?

Feldstudie, ein beliebiger Fußballplatz am Wochenende auf dem ein Jugendspiel stattfindet, auf dem Platz ist es nicht besonders spannenden, am Spielfeldrand umso mehr. Eltern die Eltern beschimpfen, Eltern die Schiedsrichter anpöbeln, Eltern die Kinder beschimpfen. 

Ich soll etwas zum Frieden sagen? Ist das nicht vergebens?

Doch ich bin der Richtige, weil alle, die friedvoll leben möchten, die Richtigen sind, um über den Frieden zu schreiben und vor allem ihn zu tun, trotz ihrer eigenen Unzulänglichkeiten. 

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Das eigene Tun und Handeln und auch das Nichtstun müssen wir kritisch betrachten und uns dabei nicht entmutigen lassen von der eigenen Fehlbarkeit. Sondern sie als Ansporn sehen, für ein friedliches, respektvolles Miteinander der Menschen im Kleinen wie im Großen dieser Welt. 

Im Auto entspannter zu sein, ist schon einmal ein guter Anfang, aber es geht noch mehr.

Bernd Rossi, aejn


Woche 6 l 10. April 2019

Perspektiven verändern – Frieden möglich machen 

Die Perspektive einer Weltkarte beeinflusst unsere Wahrnehmung auf diese unsere Welt. Wir sollten unser normales Weltbild hin und wieder auf den Kopf stellen, unsere Perspektive wechseln. Wir sollten scheinbar in Stein Gemeißeltes neu von oben, von unten, von hinten und von vorne betrachten. So können wir die Freiheit unserer Gedanken bewahren.

Jede/jeder kennt die klassische Weltkarte, wie wir sie alle aus dem Geographieunterricht kennen oder wie sie bei Google Maps erscheint: Europa oben und mittig, darunter der mittlere Osten und Afrika, zum Rand hin Asien, Amerika und Australien und am untersten Rand vielleicht noch die Antarktis. 

Dies ist die Gestalt der Welt, wie wir sie in unseren Köpfen abgespeichert und als Abbild der Realität verinnerlicht haben. So als wäre sie etwas Naturgegebenes oder gar Objektives.

Die Geschichte wird immer von den Siegern geschrieben, lautet eine nur allzu sehr zutreffende Wahrheit. Dasselbe gilt für das Zeichnen von Weltkarten, und damit für unsere Wahrnehmung dieser Welt. Von Europa aus wurde die ganze Erde unterjocht, kolonialisiert, geplündert, ihre indigenen Bevölkerungen vertrieben, abgeschlachtet, versklavt oder anderweitig in Abhängigkeiten getrieben.

Es ist daher nur folgerichtig, dass die allgegenwärtige Darstellung der Welt eine eurozentrische ist. Europa ist in der Mitte und blickt von oben auf alle anderen Teile herab. Wir denken über diese Sachen nicht nach, sie sind eben so. Doch all das ist kein Naturgesetz, die eurozentrische Abbildung der Welt ist von uns Menschen gemacht und sie ist so gewollt Es gibt keine Notwendigkeit, die Erde so darzustellen, wie wir es aus unseren Schulbüchern kennen. Es existieren unzählige weitere Möglichkeiten.

Auf dem Bild siehst Du eine Weltkarte, die mit anderen Umrissen arbeitet und in der der Süden oben ist. Die Weltkarte arbeitet mit “Peters Projektionen“, die die Umrisse der Welt in etwa flächengetreu darstellt.

Europa ist nicht das Zentrum der Welt und Europa ist nicht oben. Es gibt eigentlich kein Oben bei der Darstellung der Erde.

Wir sehen uns als Nabel der Welt und blicken auf andere Länder herab. 

Frieden geht anders:
Frieden passiert da, wo Länder und Menschen sich auf Augenhöhe begegnen. 
Frieden passiert da, wo es nicht darum geht, möglichst viele eigene Interessen durchzusetzen, ohne Rücksicht auf die Interessen der Anderen.
Frieden passiert da, wo wir uns mit Respekt und Achtung vor dem Anderen, das uns manchmal auch fremd erscheint, aufeinander zu bewegen.

Das gilt sowohl für Nationen als auch im zwischenmenschlichen Umgang miteinander. Beim Blick auf die Welt die Perspektive zu wechseln hilft, Macht abzubauen und Brücken zu schlagen. Damit kann jede und jeder bei sich anfangen.

Suche den Frieden und jage ihm nach! lautet die Jahreslosung aus dem 34. Psalm. „Suche Frieden und jage ihm nach!“ geht nur mit der Bereitschaft, die Blickrichtung zu wechseln. Christus hilft uns dabei, uns immer wieder neu ausrichten zu lassen. Es spricht: „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“

Gottfried Labuhn, Evangelische Jugend in der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig


Woche 5 l 03. April 2019

Was ist Frieden?

Was ist Frieden? Also wahrhafter Frieden, nicht nur ein Waffenstillstand, eine Pause, sondern richtig echter Frieden. Dieses Gefühl von vollkommener Freiheit, wo der Hass nicht im Untergrund noch brodelt oder die Gleichgültigkeit uns stumpf werden lässt. 
„Bei allem was ihr tut, lasst euch von der Liebe leiten“ heißt es im 1. Korinther 16,14. Könnte das vielleicht dieser Friede sein? Wenn wir Gottes Gebot ernst nehmen und in jeder Handlung, in jedem Wort und Gedanken lieb sind. Lieb zu uns selbst, unseren Mitmenschen und zu unserer Umwelt. Ich glaube, dann können wir auf echten Frieden hoffen. Einen der Mauern und Meere, Hass und Verachtung überwindet. 
Doch das alles fängt mit uns selbst an. Wir können nicht länger darauf warten, dass andere den ersten Schritt machen. Wir müssen uns von der Liebe leiten lassen und dem Frieden nachjagen.

Er wartet auf uns, ganz still und leise und wenn wir beginnen auf diese Stille zu achten, statt laut zu sein, finden wir ihn Stück für Stück. 
Lasst euch also von der Liebe leiten, hört auf Zwischentöne und die Ruhe, dann ist wahrhaft Frieden möglich

Lisa Wraase, Vorsitzende der Ev. Jugend Oldenburg

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Frieden

Rettet Leben
Inspiriert andere
Erzählt eine Geschichte
Dauert hoffentlich ewig
Ergibt etwas wunderschönes
Nachdem wir Brücken überwunden haben

Larissa und Rieke, Teilnehmerinnen der Juleica Schulung des Kirchenkreises Delmenhorst/Oldenburg-Land, Herbst 2018


Woche 4 l 27. März 2019

Festmahl im Himmel

Benedikt Elsner, Gemeindejugendwerk Niedersachsen, Ostwestfalen, Sachsen Anhalt


Woche 3 l 20. März 2019

Stell dir vor es ist Frieden. Und keiner macht mit.

Eine Vorstellung die irgendwie absurd ist, in unserer Welt aber doch allgegenwärtig. Wenn Frieden all das ist, was kein Krieg ist, muss man für den Frieden nichts tun. Es reicht aus, sich gegen den Krieg zu entscheiden.

Seit einiger Zeit versuche ich als Pazifistin zu leben und ich habe gemerkt, es gehört mehr dazu, als sich gegen Krieg zu entscheiden. Jeder ist irgendwie gegen Krieg, aber auf die Frage „Wofür bin ich eigentlich?“ fehlt oft die Antwort. Mir hat ein Blick auf die Bedeutung des Wortes Frieden weitergeholfen.

Das Wort Frieden lässt sich auf das althochdeutsche Wort „fridu“ zurückführen, was nicht nur Frieden, sondern auch Freundschaft bedeuten kann. Gleiches gilt für das hebräische (biblische) Wort Schalom, das meist mit Frieden übersetzt wird, gleichzeitig aber auch eine Begrüßungsfloskel und ein Ausdruck für Freundschaft sein kann. 

Frieden als Form von Freundschaft. Ein schöner Gedanke, aber mit wem soll ich denn nun Freundschaft schließen? Ich glaube, zuallererst mit mir selbst. Die Bibel sagt uns „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wer nicht erst mit sich selbst Freundschaft schließen kann, der wird es auch mit keinem anderen Menschen können.

Mit diesem Gedanken ist für mich dieses große Wort Frieden auf einmal ganz leicht. Ich muss nicht im Superheldencape die Welt retten oder wenigstens Bundeskanzlerin werden, um für Frieden einstehen zu können. Erst einmal ist es genug, wenn ich Freundschaft mit mir selber schließen kann. Und dann mit jeder meiner freundschaftlichen Beziehungen ein wenig mehr Frieden schenke. Denn manchmal reicht es, im Kleinen anzufangen um das Große zu verändern.

Stell dir vor es ist Frieden. Und du machst mit.

Rike Rhein, Evangelische Jugend in der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers


Woche 2 l 13. März 2019

Suche Frieden und jage ihm nach!

Die Jahreslosung hat mir noch einmal vor Augen geführt:

Frieden ist etwas, dem ich Raum geben, für den ich mich in Bewegung setzen muss. 

Am Reformationstag im letzten Jahr haben sich in unserer Kirche 600 Menschen unterschiedlichster Religionszugehörigkeit auf den Weg gemacht und in einer dreistündigen Veranstaltung Friedensgrüße, Lieder, Gebete, Gespräche und Essen, eine bunte, leckere Mixtur aus vielen Kulturen, miteinander geteilt. 

Wenn ich dem Frieden nachjage, kann ich auch überrascht werden. Mich hat bei dieser Zusammenkunft ein Text überrascht und ins Herz getroffen, der von einem Oberschüler aus Stadthagen formuliert und vorgetragen wurde.

Ich werde diesen Text nicht mehr auslegen, analysieren, oder kommentieren.
Lass ihn in dieser Form einfach auf dich wirken: nicht in fein formatierter Arial 12 Pt. daherkommend, sondern in der Handschrift des 17-jährigen Dimitrios Kitmiridis, der ihn verfasst hat.

Joachim Büge, Evangelische Jugend Schaumburg-Lippe 


Woche 1 l 06. März 2019

Suche Frieden und jage ihm nach…

Suche Frieden… Eigentlich suchen wir doch immer nur nach ganz anderen Dingen.  Wir suchen das nächste Schnäppchen, das schnellere Auto, alle 11 Minuten eine neue Partnerschaft, das große Geld, die ewige Jugend… Aber Frieden? Ich soll Frieden suchen? Wir leben doch in Frieden, also ohne Krieg und andere gegenwärtige Bedrohungen. 

Frieden im globalen Sinne ist bei uns etwas Selbstverständliches. Etwas, was wir gar nicht mit Emotionen füllen können, weil wir das Gegenteil, nämlich Krieg oder Unfrieden gar nicht selbst erlebt haben. Zum Glück! Klar kann man sich objektiv vorstellen, was Krieg ist. Aber dafür ein Gefühl zu entwickeln, fällt mir sehr schwer. Aber vielleicht denke ich damit einfach zu weltpolitisch. Vielleicht ist hier mit dem Wort „Frieden“ gemeint, dass es mir an nichts fehlen soll und dass wir gut mit einander umgehen sollen. Ohne Streit, ohne Missgunst, ohne Unterdrückung, ohne Enttäuschung, ohne Unsicherheit, ohne Ungleichheit… Damit kann ich etwas anfangen und das kann ich mit meinem Leben verbinden! Das kann ich auch emotional mit Leben füllen. 

Denn im Kleinen ist Frieden ein oft seltener oder unerreichbarer Zustand. Irgendwas ist immer. Meinungsverschiedenheiten, Streit, Gewalt, Neid und Rivalität sind häufige Bestandteile unseres Lebens. Leider. Umso wichtiger ist es, Frieden zu suchen! Und das versuche ich ganz praktisch jeden Tag. 

Ich arbeite nämlich seit über 17 Jahren als Polizist und sehe es als meine Aufgabe, meinen Mitmenschen, und natürlich auch mir, ein Zusammenleben in Frieden zu ermöglichen. Das ist ein hoher Anspruch, dem ich nicht immer gerecht werden kann, aber ich stecke dort viel Energie rein. Denn es lohnt sich! Unweit meiner Wohnung im Hamburger Stadtteil St. Pauli steht eine katholische Kirche in der Straße Große Freiheit, direkt an der Reeperbahn. Am Torpfosten entdeckte ich vor einigen Jahren eine Inschrift, die mich bis heute fasziniert und motiviert. Dort steht: Es gibt nichts, womit Jesus nicht fertig wird. 


Für mich ist es gut zu wissen, dass ich auf meiner Suche nach Frieden nicht alleine bin. Und zu wissen, dass dort jemand ist, der nicht aufgibt, selbst wenn ich die Situation schon als ausweglos abgehakt habe. Somit sollten wir den Appel ernst nehmen und die Aufforderung in unser Leben übertragen: Suche Frieden! Nicht irgendwo in der Welt, sondern in deiner Familie, in deinem Freundeskreis, in der Schule oder auf der Arbeit, vor deiner Haustür halt und nicht in tausenden Kilometern Entfernung! Frieden suchen fängt bei jedem einzelnen an! Und wenn du ihn gefunden hast, dann jage ihm nach! Schaffe nicht nur Frieden, sondern erhalte ihn auch! 

In diesem Sinne, mutig voran mit Jesus!

Lewke-Björn Rudnick, 1. Vorsitzender des CVJM Landesverband Hannover e.V.