Fasten: die Zeit der inneren Einkehr, des mutig Seins, des Neumachens, des Loslassens … Für jede*n von uns hat die Fastenzeit ihre eigene Bedeutung und Auslebung. Doch wir behaupten, dass für alle eines gleich ist: die Fastenzeit ist die Zeit sich bewusst in einen Prozess hineinzubegeben. 

Viele Jahre gab es genau in diesem Zeitraum Impulse von der aejn zu einem Themenschwerpunkt. Diese Tradition lassen wir ab diesem Jahr, in Form eines Fastenkalenders, wieder aufleben. Mit diesem „Kalender“ möchten wir Euch und Ihnen Ideen und Anregungen zu einem festen Thema mitgeben. 
Die Zeit des christlichen Fastens fällt immer in die Zeit des Frühlings. Eine Zeit der Veränderung, des Aufbruchs, des aktiv Werdens. Raus dem Winterschlaf – rein ins Leben!

Und so wollen wir einladen (neue) Blickwinkel einzunehmen, aktiv zu werden und diese Anregungen in der kommenden Arbeit mit jungen Menschen einfließen zu lassen.

Dieses Jahr haben wir uns sowohl an der Jahreslosung der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) orientiert, als auch an dem Themenschwerpunkt der aejn im Jahr 2018: Frieden. 

Wir wünschen viel Freude beim Entdecken des aejn-Fastenkalenders und wünschen Allen eine gesegnete Fastenzeit. 


Woche 3 l 20. März 2019

Stell dir vor es ist Frieden. Und keiner macht mit.

Eine Vorstellung die irgendwie absurd ist, in unserer Welt aber doch allgegenwärtig. Wenn Frieden all das ist, was kein Krieg ist, muss man für den Frieden nichts tun. Es reicht aus, sich gegen den Krieg zu entscheiden.

Seit einiger Zeit versuche ich als Pazifistin zu leben und ich habe gemerkt, es gehört mehr dazu, als sich gegen Krieg zu entscheiden. Jeder ist irgendwie gegen Krieg, aber auf die Frage „Wofür bin ich eigentlich?“ fehlt oft die Antwort. Mir hat ein Blick auf die Bedeutung des Wortes Frieden weitergeholfen.

Das Wort Frieden lässt sich auf das althochdeutsche Wort „fridu“ zurückführen, was nicht nur Frieden, sondern auch Freundschaft bedeuten kann. Gleiches gilt für das hebräische (biblische) Wort Schalom, das meist mit Frieden übersetzt wird, gleichzeitig aber auch eine Begrüßungsfloskel und ein Ausdruck für Freundschaft sein kann. 

Frieden als Form von Freundschaft. Ein schöner Gedanke, aber mit wem soll ich denn nun Freundschaft schließen? Ich glaube, zuallererst mit mir selbst. Die Bibel sagt uns „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Wer nicht erst mit sich selbst Freundschaft schließen kann, der wird es auch mit keinem anderen Menschen können.

Mit diesem Gedanken ist für mich dieses große Wort Frieden auf einmal ganz leicht. Ich muss nicht im Superheldencape die Welt retten oder wenigstens Bundeskanzlerin werden, um für Frieden einstehen zu können. Erst einmal ist es genug, wenn ich Freundschaft mit mir selber schließen kann. Und dann mit jeder meiner freundschaftlichen Beziehungen ein wenig mehr Frieden schenke. Denn manchmal reicht es, im Kleinen anzufangen um das Große zu verändern.

Stell dir vor es ist Frieden. Und du machst mit.

Rike Rhein, Evangelische Jugend in der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers


Woche 2 l 13. März 2019

Suche Frieden und jage ihm nach!

Die Jahreslosung hat mir noch einmal vor Augen geführt:

Frieden ist etwas, dem ich Raum geben, für den ich mich in Bewegung setzen muss. 

Am Reformationstag im letzten Jahr haben sich in unserer Kirche 600 Menschen unterschiedlichster Religionszugehörigkeit auf den Weg gemacht und in einer dreistündigen Veranstaltung Friedensgrüße, Lieder, Gebete, Gespräche und Essen, eine bunte, leckere Mixtur aus vielen Kulturen, miteinander geteilt. 

Wenn ich dem Frieden nachjage, kann ich auch überrascht werden. Mich hat bei dieser Zusammenkunft ein Text überrascht und ins Herz getroffen, der von einem Oberschüler aus Stadthagen formuliert und vorgetragen wurde.

Ich werde diesen Text nicht mehr auslegen, analysieren, oder kommentieren.
Lass ihn in dieser Form einfach auf dich wirken: nicht in fein formatierter Arial 12 Pt. daherkommend, sondern in der Handschrift des 17-jährigen Dimitrios Kitmiridis, der ihn verfasst hat.

Joachim Büge, Evangelische Jugend Schaumburg-Lippe 


Woche 1 l 06. März 2019

Suche Frieden und jage ihm nach…

Suche Frieden… Eigentlich suchen wir doch immer nur nach ganz anderen Dingen.  Wir suchen das nächste Schnäppchen, das schnellere Auto, alle 11 Minuten eine neue Partnerschaft, das große Geld, die ewige Jugend… Aber Frieden? Ich soll Frieden suchen? Wir leben doch in Frieden, also ohne Krieg und andere gegenwärtige Bedrohungen. 

Frieden im globalen Sinne ist bei uns etwas Selbstverständliches. Etwas, was wir gar nicht mit Emotionen füllen können, weil wir das Gegenteil, nämlich Krieg oder Unfrieden gar nicht selbst erlebt haben. Zum Glück! Klar kann man sich objektiv vorstellen, was Krieg ist. Aber dafür ein Gefühl zu entwickeln, fällt mir sehr schwer. Aber vielleicht denke ich damit einfach zu weltpolitisch. Vielleicht ist hier mit dem Wort „Frieden“ gemeint, dass es mir an nichts fehlen soll und dass wir gut mit einander umgehen sollen. Ohne Streit, ohne Missgunst, ohne Unterdrückung, ohne Enttäuschung, ohne Unsicherheit, ohne Ungleichheit… Damit kann ich etwas anfangen und das kann ich mit meinem Leben verbinden! Das kann ich auch emotional mit Leben füllen. 

Denn im Kleinen ist Frieden ein oft seltener oder unerreichbarer Zustand. Irgendwas ist immer. Meinungsverschiedenheiten, Streit, Gewalt, Neid und Rivalität sind häufige Bestandteile unseres Lebens. Leider. Umso wichtiger ist es, Frieden zu suchen! Und das versuche ich ganz praktisch jeden Tag. 

Ich arbeite nämlich seit über 17 Jahren als Polizist und sehe es als meine Aufgabe, meinen Mitmenschen, und natürlich auch mir, ein Zusammenleben in Frieden zu ermöglichen. Das ist ein hoher Anspruch, dem ich nicht immer gerecht werden kann, aber ich stecke dort viel Energie rein. Denn es lohnt sich! Unweit meiner Wohnung im Hamburger Stadtteil St. Pauli steht eine katholische Kirche in der Straße Große Freiheit, direkt an der Reeperbahn. Am Torpfosten entdeckte ich vor einigen Jahren eine Inschrift, die mich bis heute fasziniert und motiviert. Dort steht: Es gibt nichts, womit Jesus nicht fertig wird. 


Für mich ist es gut zu wissen, dass ich auf meiner Suche nach Frieden nicht alleine bin. Und zu wissen, dass dort jemand ist, der nicht aufgibt, selbst wenn ich die Situation schon als ausweglos abgehakt habe. Somit sollten wir den Appel ernst nehmen und die Aufforderung in unser Leben übertragen: Suche Frieden! Nicht irgendwo in der Welt, sondern in deiner Familie, in deinem Freundeskreis, in der Schule oder auf der Arbeit, vor deiner Haustür halt und nicht in tausenden Kilometern Entfernung! Frieden suchen fängt bei jedem einzelnen an! Und wenn du ihn gefunden hast, dann jage ihm nach! Schaffe nicht nur Frieden, sondern erhalte ihn auch! 

In diesem Sinne, mutig voran mit Jesus!

Lewke-Björn Rudnick, 1. Vorsitzender des CVJM Landesverband Hannover e.V.